Die E.C.A. Siedlung (später Lincolnsiedlung)

Am 18.04.1952 wurde auf dem Felde zwischen Rühme und der Autobahn der Grundstein für eine E.C.A. Siedlung gelegt. Amerika wollte der Stadt Braunschweig eine Siedlung zum Geschenk machen. Die Stadt nahm dankend an und wählte das oben genannte Stück als Baugelände aus. Am 9.11.1952 war die Siedlung fertig. Sie bestand aus drei großen Wohnblocks und 15 kleinen, langgestreckten Häusern. Braunschweig hatte ein neues Stadtviertel bekommen: Seine Wohnblocks und Reihenhäuser bildeten ein ungewohntes Bild moderner Architektur. Die Braunschweiger Architekten, nach deren Plänen gebaut wurde, waren ganz neue Wege gegangen. Sie hatten festumrissenen Bedingungen zu erfüllen und waren vor allem an das vorhandene Geld von 2,88 MILL. DM gebunden. Aus dem Bestreben, Sparsamkeit und Nützlichkeit mit architektonischer Schönheit zu verbinden, ergab sich die Bauten wie sie heute sind.

Es kam zu den umstrittenen Zweigeschosswohnungen, bei denen innerhalb jeder Wohnung Schlaf- und Wohnzimmer auf zwei Stockwerke verteilt sind. Dies ermöglichte vor allem Einsparungen an der kostspieligen Abfall-Entwässerung, da durch das Übereinanderlegen von Küche und Bad jeweils Rohr die doppelte Anzahl von Küchen- und Badezimmeranschlüssen aufnehmen kann. Es ermöglicht direkten Zugang zu allen Räumen und in jedem zweiten Stockwerk Verzicht auf langgestreckten, balkonartigen Laubengänge, über die die Wohnungseingänge erreicht werden. Interessant sind auch noch einige andere Neuerungen, an die gedacht wurde. Die Lichtschalter sitzen alle in Griffhöhe. Sogar die Kinder können nun an- und ausknipsen, ohne erst mühsam auf einen Stuhl klettern zu müssen. Da in den Treppenhäusern Fenster zu teuer geworden wären, hat man einfach Röhren eingelassen, die für Luft und Licht sorgten. Im November 1952 zogen 285 Vertriebene und Ausgebombte in diese E.C.A. - Siedlung.

 

Das Bauprojekt im Sommer 1952

Im Frühjahr 1952 hatte noch ein anderes Bauprojekt begonnen. Die Rühmer Schule, seit 1893 in dem erweiterten Schulgebäude an der Gifhorner Straße war längst zu klein geworden. Auch unterrichteten an der Schule inzwischen vier Lehrkräfte. Es waren der Hauptlehrer Erich Meyer, der Lehrer Erich Neubauer, der Lehrer Otto Helm und die Junglehrerin Inge Loenhardt.

Außerdem war eine ehemalige Scheune des Hofes Nr. 3 zu zwei Klassenräumen umgebaut worden. Hier un in der alten Schule wurden die Kinder unterrichtet. Durch den Bau der E.C.A. Siedlung und den Plan noch weiterer Bauten war man auf die Schulraumnot in Rühme aufmerksam gemacht worden und suchte sie durch eine Schulneubau zu beseitigen.

Geplant war eine 16-klassige Volksschule mit allen notwendigen und erforderlichen Nebenräumen. Der Bauer Schwanenberg (Hof Nr. 1), hatte den Garten den Wendenturms an die Stadt verkauft. In einem Preisausschreiben wandte sich die Stadt an die Architekten, die für diesen Bausatz eine moderne Schule entwerfen sollten. Dabei war die Bedingung, dass möglichst wenige der alten Eichen beim Bau gefällt werden durften. Den 1. Preis erhielt der Architekt Schneemann, der dann auch die Leitung des Schulneubaus übernahm. Da die Gelder für den 1. Bauabschnitt mit 6 Klassenräumen, der Hausmeisterwohnung un den notwendigen Verwaltungsräumen bewilligt wurden, konnte mit dem Bau im Sommer 1952 begonnen werden. Bei den Ausschaltungen stieß man sehr schnell auf Grundwasser, wodurch die Arbeiten verzögert wurden.

Unterricht im "Wendenturm"

Inzwischen war der Winter 1952/53 in das Land gezogen. Die Kinder der E.C.A. - Siedlung kamen nun auch in die Schule Rühme, so dass es in den Klassenräumen beängstigend voll wurde. Auf diese Weise mussten der große und der kleine Saal der Gastwirtschaft Wendenturm für Unterrichtszwecke mit in Anspruch genommen werden. Schon zum 1.10.1952 war die Zahl der Lehrkräfte auf sieben angestiegen. Herr Rektor Ernst Koch hatte die Leitung der Schule übernommen. Außerdem waren der Lehrer Ernst Hartwieg und der Junglehrer Günter Sürig an die Rühmer Schule versetzt worden.

Trotzdem besuchten nur die Kinder der Klassen 1 - 6 die Schule in Rühme. Die Kinder der 7. und 8. Klasse gingen nach Veltenhof in die Schule und wurden dort entlassen 

 

Einweihung der "Lincoln Siedlung"

Am 26. Juni 1983 wurde am Eingang des E.C.A. - Wohnblocks eine "Abraham Lincoln - Plakette" befestigt und eingeweiht. Die neue Siedlung im Norden war der Stadt Braunschweig erhielt den Namen "Abraham Lincoln Siedlung". Im Beisein des Oberbürgermeisters Dr. Semler sagte der amerikanische Generalkonsul in Hamburg, Clare H. Timberlake: "Es ist mir ein großes Vergnügen, an dieser Einweihung teilzunehmen, denn amerikanische Gelder, deutschter Fleiß und deutsches Material haben diese neue Siedlung geschaffen. Sie ist ein Symbol für das harmonische Verstehen zwischen unseren beiden Völkern. Dieses Zusammenarbeiten und Verstehen soll auch für die Zukunft beibehalten werden. Es hat uns Freude bereitet, dass die Stadt Braunschweig dieser Siedlung den Namen unseres großen Präsidenten Abraham Lincoln gegeben hat:" Damit war also ein neues Stück "Rühmer Geschichte" abgeschlossen

 

Einweihung der Grundschule Rühme am Eichenstieg

 

ChronikbildAm 6. August 1953 war ein neues Festtag für den Stadtteil Braunschweig-Rühme. Auf diesen Tag, den Tag der Schuleinweihung, hatten sich Eltern, Lehrer und Kinder schon lange gefreut.

Der erste Bauabschnitt war vollendet und eine mustergültige Schule errichtet worden, in der sich sieben Lehrer und 300 Kinder wohlfühlen konnten. Jede Klasse hatte ihren eigenen Klassenraum und am Mittag war der Unterrichtsbetrieb zu Ende. Aber dieses Glück war nicht von langer Dauer, denn der Großstadtvorort breitete sich weiter aus.

Auf dem "Lerchenfeld" am Osterberg plante die Stadt den Bau von Kleinstwohnungen in Einfachst - Häusern, um den Flüchtlingen aus den Bunkern Wohnraum zu verschaffen. Im Frühjahr 1954 wurde dort mit den Ausschaltungen für zunächst sechs Häuser begonnen. Zugleich meldete eine Wohnbaugenossenschaft ihre Baupläne für das Gebiet zwischen Lincoln-Siedlung und ehemaliger S.A. - Siedlung an. Dort sollten 190 Wohnungen gebaut werden. Im Juni 1954 waren die Einfachst - Wohnungen fertig. Neue Kinder strömten in die Schule, die nun wieder zu klein wurde. Im Herbst 1954 wurde auch die neue Siedlung bezogen.

Wieder herrschte in Rühme eine Schulraumnot, so dass im Schichtbetrieb gearbeitet werden musste. Die Schule Rühme hatte jetzt zehn Lehrkräfte, die etwa 450 Kinder in 11 Klassen und 7 Klassenräumen unterrichteten. Doch sollte die Schulraumnot noch lange dauern.

Erst im April 1959 konnte der zweite Bauabschnitt eingeweiht werden. Die Schule verfügte nun über 15 Klassenräume, davon 8 mit Gruppenräumen, 3 Werkräumen, 1 Musikraum und einer 1 Küche. Gegenüber der Schule an der Osterbergstraße wurde von der Stadt Braunschweig für den Sportverein und die Schule der neue Sportplatz gebaut. Erst zu Ostern 1966 konnte auch die Turnhalle in Benutzung genommen werden.

An der Osterbergstraße wurden zur Behebung der Schulraumnot zwei Schulpavillons mit 4 Klassenräumen errichtet.

Ja, Rühme ist ein wachsender Großstadtvorort geworden. Aus dem kleinen Dorf an der Schunter ist ein Ort geworden, der sich ständig vergrößert und eines Tages mit der Stadt verschmolzen sein wird.

Umso wichtiger ist es für die Jugend und für uns alle, die Vergangenheit des Ortes Rühme nicht zu vergessen, damit nicht altes deutsches Brauchtum und die Erinnerung an unsere Vorfahren verloren geht.  

 

Chronikbild

Quelle:

Günter Sürig; Rühme, ein wachsender Großstadtvorort 1954, überarbeitet 1967